Mitglied werden

Nächstenliebe schafft Klarheit

Hätte Jesus ein Patent auf das Gebot der Nächstenliebe angemeldet, hätte das Patentamt wohl so reagiert: „Geht nicht, gibt’s schon“ Aber es bleibt beim hätte. Erstens gab es kein Patentamt, zweitens kannte Jesus selber die Nächstenliebe schon – als ein Gebot aus der Heiligen Schrift, der jüdischen Thora.

Mehr…

In einem Gespräch mit einem Gesetzeslehrer (Mk 12,28-34) erfahren wir, dass es für Jesus sogar das höchste Gebot war – neben dem Gebot, den einen Gott von ganzem Herzen zu lieben (dem jüdischen „Schema-Israel“). Und die Frage, die im Lukasevangelium auf diese Unterhaltung folgt, hat bis heute nichts an Aktualität verloren: Wer ist denn mein Nächster?
Jesus antwortet mit dem bis heute sehr bekannten Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,29-36). Darin werden sich ein überfallener im Graben liegender Mann und ein Samariter die Nächsten. Sie reichen sich die Hand. Andere waren vorbei gegangen und hatten ihre Hände in der Tasche oder am Smartphone gelassen. Die Ausreden sind einfach und nachvollziehbar: „Ich habe keine Zeit.“ oder: „Den habe ich gar nicht bemerkt.“ Der Samariter hingegen bleibt stehen und nimmt sich Zeit.
Sich die Hände zu reichen, ist geprägt von einer Gegenseitigkeit, bei der sich Menschen in diesem Moment die Nächsten werden. Ob sie es beispielsweise bei der Begrüßung, bei der Verabschiedung oder zur Entschuldigung tun, für einen kurzen Moment schauen sie sich in die Augen, nehmen einander wahr und erhalten Klarheit darüber, dass der andere ein Mensch ist, wie man selbst. Nächstenliebe schafft Klarheit!
Wir sind aufgerufen, einander die Hände zu reichen. Nicht jedem und jeder – es heißt schließlich nicht: Du sollst alle lieben! - sondern dem Menschen, der einem begegnet, der einen braucht, ob ein bekannter oder fremder, oder ob zu einem passenden oder unpassenden Zeitpunkt.
Wenn Menschen rufen: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ oder: „Migration ist die Mutter aller Probleme.“, dann wird das Gebot der Nächstenliebe mit Füßen getreten. Wer ruft: „Wir sind das Volk!“ und damit meint: „Wir gehören dazu und die anderen nicht!“, der urteilt über die Anderen ohne die Klarheit, dass diese Menschen Menschen sind wie er selber. Das jüdisch-christliche Gebot der Nächstenliebe bedeutet: Da ist niemand, dem wir wegen seiner Religion, Sprache oder Hautfarbe nicht die Hand reichen, der nicht unser Nächster werden kann. Wir alle sind das Volk. Das Volk Gottes!

Weniger…

12 Gründe, in der Kirche zu sein

1. Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich nicht selber sagen können. Daraus ergeben sich Maßstäbe für ein verantwortungsbewusstes Leben.

Mehr…

2. In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.

3. Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.

4. In der Kirche können Menschen an einer Hoffnung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.

5. Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.

6. In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für andere ein. Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft.

7. Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.

8. In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernstgenommen und angenommen.

9. In Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonderes, menschliches Klima.

10. Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten.

11. Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.

12. Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auch die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen

Quelle: Amt für Öffentlichkeitsdienst der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche, Broschüre "12 Gründe in der Kirche zu sein", Bestellung www.komm-webshop.de

Weniger…

Farbe bekennen

für Demokratie

Gemeinsam für Vielfal, Toleranz und Solidarität

Die evangelische und die katholische Kirche an der Bergstraße appellieren an alle Menschen, sich bei aller Unterschiedlichkeit für ein solidarisches Miteinander einzusetzen. Ausgrenzung, Hass und Hetze dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

Mehr…

Gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Parteien und Gewerkschaften wollen wir ein Zeichen setzen für die Vielfalt und Weltoffenheit in der Region Bergstraße, für ein Zusammenleben in Respekt und Solidarität.
Wir befürchten, dass im bevorstehenden Landtagswahlkampf populistische Kräfte Ängste schüren und mit simplen Antworten und Botschaften auf Stimmenfang gehen.
Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Gott die Menschen in ihrer Vielfalt liebt. Deshalb stehen wir dafür ein, die Würde und das Recht jedes einzelnen Menschen zu achten und in unserer Gesellschaft Teilhabe und Solidarität zu fördern. Wir wollen gemeinsam mit vielen anderen bezeugen, dass wir in unserer Region auch in Zukunft weltoffen, demokratisch und antirassistisch leben und Menschen, die vor Verfolgung, Krieg und Gewalt geflohen sind, beistehen werden.

Weniger…

Auf dem langen Weg

Herr, mein Gott:
der du mich begleitest auf dem langen Weg,
den ich noch nicht kenne,
der du in deiner Hand wiegst
den zweiten Gedanken, den ich noch nicht gedacht,
der du meinem Fuß voraus bist den nächsten Schritt,
den ich noch nicht gegangen.
Ich bitte dich für den kommenden Tag
und für meine zukünftigen Wege:
Gib ihnen die Sicherheit deines Geistes.
Lass mich gehen erhobenen Hauptes
wie es sich für einen Menschen ziemt,
der sich seines Gottes gewiss ist,
dass ihn die Zukunft nicht schrecken kann.
Lass dein Morgen auch das meine sein,
deinen nächsten Gedanken auch den meinen
und geleite mich auf dem langen Weg
in die Zukunft deine Reiches.

aus: Neukirchner Kalender 21.10.2017

Glaubens-Bekenntnis

Ich glaube, dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern auf ihn verlassen.
In solchem Glauben
müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer

Die zehn Männer vor dem Roten Rathaus

An einem Donnerstag Ende August versammeln sich zehn Männer vor dem Roten Rathaus in Berlin. Sie haben beschlossen, heißt es, nichts mehr zu essen. Drei Tage später beschließen sie, nun auch nichts mehr zu trinken.

Mehr…

Ihre Hautfarbe ist schwarz. Sie sprechen Englisch, Französisch, Italienisch. Und noch andere Sprachen, die hierzulande niemand versteht. Was wollen die Männer? Arbeit wollen sie. Und von der Arbeit leben. In Deutschland bleiben wollen sie. Wer seid ihr, werden sie von der Polizei und von Beamten des Senats, die hinzugeholt werden, gefragt. Wir sagen es nicht, sagen die Männer. Das müsst ihr aber sagen, sagen die andern, sonst wissen wir nicht, ob ihr unter das Gesetz fallt und hier bleiben und arbeiten dürft. Wir sagen nicht, wer wir sind, sagen

die Männer. Würdet ihr denn, wenn ihr an unserer Stelle wärt, einen Gast aufnehmen, den ihr nicht kennt, sagen die andern. Die Männer schweigen. Wir müssen prüfen, ob ihr wirklich in Not seid, sagen die andern. Die Männer schweigen. Vielleicht, sagen die andern, seid ihr Verbrecher, das müssen wir prüfen. Die Männer schweigen. Oder einfach Schmarotzer. Die Männer schweigen. Wir haben selbst nicht genug, sagen die andern. Es gibt Regeln hier, sagen sie, an die müsst ihr euch halten, wenn ihr bleiben wollt. Und zuletzt sagen sie: Erpressen könnt ihr uns nicht. Die Männer mit schwarzer Hautfarbe aber sagen nicht, wer sie sind. Sie essen nicht, sie trinken nicht, sie sagen nicht, wer sie sind. Sie sind einfach da. Das Schweigen der Männer, die lieber sterben wollen als

sagen, wer sie sind, vereint sich mit dem Warten der andern auf Beantwortung all der Fragen zu einer großen Stille mitten auf dem Alexanderplatz in Berlin. Diese Stille hat nichts damit zu tun, dass es am Alexanderplatz durch die Geräusche des Straßenverkehrs und durch die Grabungsarbeiten bei der neuen U-Bahnstation immer sehr laut ist.


aus: Erpenbeck, Jenny, Gehen, ging, gegangen (2015) S. 18f.

Weniger…

Christuskirche

Theodor-Storm-Str. 10
64646 Heppenheim
Telefon: +49 6252 71270
ev@christuskirche-heppenheim.de